Die Troika

Woher kommt das Wort?
-Wolfgang Kroschel, Redakteur-

Troika ist ein russisches Wort, das vom Wort „drei“ stammt und in vielen Ableitungen benutzt wird, darunter auch Dreispänner, womit drei Pferde vor einem Wagen oder Schlitten gemeint ist. Dabei laufen zwei Pferde nebeneinander, während eines den beiden vorgespannt ist. Wer im alten Russland einen Dreispänner sein Eigen nannte, gehört zur Oberschicht, also zur besitzenden Klasse.

Ein „Dreier“ war eine drei-Rubel/oder Kopeken Münze. Diese war zu sowjetischen Zeiten begehrt, weil man damit eine Fahrkarte im Nahverkehr, ein Telefongespräch vom Münzfernsprecher oder das beliebte Selterswasser „mit Geschmack“ am Automaten erwerben konnte.

Eine weniger öffentlich anerkannte Form waren in der jüngeren Vergangenheit ein oder zwei „Muschiks“ (i. S. von Kerle, Männer), die sich spontan oder abgesprochen an einem Kiosk trafen und durch Fingerzeichen einen dritten Mann suchten, mit dem sie eine „Troika“ bilden konnten. Dabei spendierte jeder einen Rubel, womit der Preis von einer Flasche „Stolitschnaja“, Moskowskaja“ oder ähnlichem, auf jeden Fall aber ohne Geschmack, dafür aber mit 40% „Umdrehungen“ beglichen wurde.

Aber Troika hat noch viele Bedeutungen, in der Kirche, der Schule, Industrie, in vielen weiteren Gebieten.

Eine Teilnehmerin unserer Versammlung am 18. Juli wies mich auf eine besondere Bedeutung dieses Wortes hin und meinte, ob das nicht ein Grund sei, den Titel unserer Publikation zu ändern:

Das Wort wurde zur Zeit der Repression nicht nur beschmutzt, sondern mit Blut besudelt.

Auch viele Menschen in der Sowjetunion verbanden das Wort mit Ungerechtigkeit, Grausamkeit und Tod. Für sie stand die Troika für Schnellgerichte, die das Land überzogen und unbegründete Urteile fällten. Eine solche Troika war eine Dreierkommission aus dem Parteisekretär, einem Mitarbeiter des NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten) und einem Staatsanwalt beziehungsweise einem von ihm benannten Vertreter. In einer unionsweit geschürten Psychose „entdeckten“ diese Schnellgerichte innere und äußere Feinde der Sowjetunion und urteilten über sie. Allein in den Jahren 1930/31 gingen 90 Prozent aller Todesurteile auf das Konto regionaler Troikas. Es gab aber auch Dwoikas (Zweierkommissionen) aus je einem Vertreter des NKWD und des Generalstaatsanwaltes, die rund die Hälfte aller nach § 58 (antisowj. Hetze gem. Strafgesetzbuch) erhobenen Anklagen enthielten, in denen das empfohlene Strafmaß bereits vermerkt war.

Deshalb herrscht in den betroffenen Familien oft die angstgefüllte Erinnerung an den Begriff. Die Begegnung mit einer jungen Frau zeigt mir, dass die Zeit nicht alles Wunden heilen kann.

 Für mich entsteht die Frage, ob diese zwar kurze, aber grausame Zeit in der Geschichte der Sowjetunion ein Grund ist, den Namen Troika weiterzuführen oder nicht.

Ich erbitte die Ansicht unserer Leser dazu.

Als Quelle für diesen Artikel diente das Buch von Alexander Vatlin: „Tatort Kunzewo“ -Opfer und Täter des Stalinschen Terrors 1937/38; BasisDruck Verlag 1. Auflage Berlin 2003; ISBN 3-86163—130-X

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