„Für immer unser Feind und eine Gefahr“ – Der „Fall Barbarossa gestern und heute“

Vortrag zum 85. Jahrestag des deutschen Angriffes auf die Sowjetunion – Veranstaltung der Gesellschaft für Deutsch-Russische Freundschaft am 28. Juni 2026 in Beckingen

©  Dr. Inge Plettenberg, Tilsiter Straße 70, 66121 Saarbrücken

Vorab-Bemerkung: Die Fotos, die ich in diesem Vortrag zeige, illustrieren nicht immer das, was ich gerade erzähle. Manchmal nutze ich sie als Hintetgrund, in freier Assoziation sozusagen.

Vom 22. Juni 1941 und dem anschließenden Krieg Deutschlands und seiner Verbündeten gegen die Sowjetunion trennen uns fünfundachtzig Jahre, nach heutigen Lebenserwartungen ein Menschenalter. Gut drei Generationen sind in dieser Zeit aufeinander gefolgt, und aus direktem Erleben können höchstens noch Menschen berichten, die damals „Kriegskinder“ waren, aber auch sie werden immer weniger. Der Schmerz und die Trauer, die die Menschen in der Sowjetunion empfanden und in der Russischen Föderation noch heute empfinden, wenn sie an die vielen Angehörigen und Landsleute denken, die in diesem Krieg ihr Leben lassen mussten, können sehr viele Menschen in Deutschland nicht nachvollziehen. Sie sind mit dem Propaganda-Narrativ von der „Gefahr aus dem Osten“, der „Bedrohung durch Russland“ und dem menschenfressenden „Iwan“ groß geworden. Ich selbst, Jahrgang 1946, lebe seit ich denken kann mit dieser Propaganda: Wenn wir nicht aufrüsten, steht der Russe morgen am Rhein und übermorgen am Atlantik. Und was auch immer an Üblem passiert in der Welt: Der Russe, bzw. Putin ist schuld, oder steckt „highly likely“ dahinter, wie die Briten es formulieren. Am Russland-feindlichen Narrativ stricken nicht nur die Regierenden und ihre Parteien. Auch die Mainstream-Medien nicht nur in unserem Land schüren den Hass auf Russland mit großer Hingabe. Auf allen Kanälen der „Qualitätsmedien“ beschallen sie uns damit. Und nicht erst seit dem 24. Februar 2022, dem Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine. Schon ein Jahr vorher, Ende April 2021 riet der der britisch-deutsche Journalist Alan Posener im Wochenblatt ZEIT, die „kulturelle Linke“ solle sich „von der Vorstellung lösen, der Frieden mit Russland um beinahe jeden Preis sei wegen des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion 1941 moralische Pflicht.“ Heißt das: Nur Mut? Nur Mut zu Barbarossa 2.0?
Ich habe bei der Ausarbeitung dieses Vortrages in einigen Büchern geblättert und Fotos gefunden, die das widersprüchliche Erinnern hierzulande an den Krieg, an dem in Deutschland keiner Schuld gewesen sein will, dokumentieren.

Foto 1: Der Überfall. Herausgegeben vom Archiv für Kunst und Geschichte.Hamburg, Verlag Hoffmann und Campe, 1989, Aufschlagseite

Zum Beispiel der Bildband „Der Überfall“, 1984 erschienen,  „152 erstmals veröffentlichte Farbaufnahmen vom Beginn des Russlandfeldzugs bis Stalingrad. Mit einem zeitgeschichtlichen Essay von Heinrich Graf Einsiedel.“ Der Graf war Jagdflieger im Krieg, wurde 1942 bei Stalingrad abgeschossen, geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft und war Mitbegründer des antifaschistischen „Nationalkomitee Freies Deutschland“ (NKFD), das die Soldaten der Wehrmacht aufrief, Widerstand zu leisten und den Krieg zu beenden. Der Essay des Grafen Einsiedel fordert im Detail zum Widerspruch heraus. Aber immerhin räumt er ein, dass das deutsche Militär in einen verbrecherischen Krieg gezogen war, verbrecherische Befehle gab und verbrecherischen Befehlen gehorchte.

Aber abgesehen von diesem Bild von einer Kolonne sowjetischer Kriegsgefangener ist der Kriegsgegner, und vor allem der Umgang mit ihm, in den Fotos kein Thema. Die „erstmals veröffentlichten Farbfotos“ zeigen die Wehrmacht unter sich:  deutsche Soldaten, Fahrzeuge und Geschütze im Schlamm steckend, in Eis und Schnee frierend, deutsche Landser in Kampfpausen, tote deutsche Soldaten, Holzkreuze auf deutschen Soldatengräbern.

2. Foto: Kolonnen sowjetischer Kriegsgefangener (Der Überfall, Bild 58+59)
3. Foto: Erinnerung an die Sonnenblumenfelder der Ukraine (Der Überfall, Bild 69)

Oder Erinnerungen an die Sonnenblumenfelder der Ukraine und andere wehmütige Szenen aus dem Alltag der Landser. Der das friedliche Einvernehmen mit der einheimischen Bevölkerung sucht –

um nach dem Weg zu fragen, weil er sich mangels geeigneter Landkarten in der Tiefe des russischen Raumes verlaufen hat.

4. Foto: Landser fragen nach dem Weg (Der Überfall, Bild 38)
5. Foto Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Ausstellungskatalog. Hamburger Edition, Hamburg 3. Aufl. 1997, Einband

Das Narrativ von der „sauberen Wehrmacht“, die einen ritterlichen Krieg führte und alle Kriegshandlungen ordnungsgemäß durchführte, hält sich bis heute. Als Legende entlarvt hat es 1996 die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944.“  Die meisten Fotos, die ich im Folgenden zeige, stammen aus diesem  Ausstellungskatalog, alle aus dem Jahre 1941.

Wer unter uns ist alt genug, um sich an das Jahr 1981 zu erinnern? Vor 45 Jahren sendete das Deutsche Fernsehen in seinen Dritten Fernsehprogrammen die  amerikanische Filmreihe „The Unknown War“, „Der unbekannte Krieg“ in deutscher Fassung, allerdings von 20 Folgen nur 15 „korrigierte“ und mit einer nachfolgenden „korrekten“ historischen Einordnung. Die englische Original-Fassung , moderiert und gesprochen von Hollywood-Star Burt Lancaster, erschien 1978.

Zwanzig Folgen zu je 48 Minuten über den gewaltigen Kampf der Sowjetunion, ihrer Soldaten und ihrer Bürger und Bürgerinnen, gegen den Vernichtungsfeldzug Hitlerdeutschlands, der mehr als 27 Millionen Menschen in der UdSSR das Leben kostete, in dem nach den offiziellen Zahlen 1.700 Städte und 70.000 Dörfer zerstört wurden, und in dem die Wehrmacht fast zweieinhalb Millionen sowjetische Kriegsgefangene durch 

Ausgangsmaterial für die Produktion waren mehr als eine Million Meter Filmmaterial von allen Fronten und aus dem Hinterland. Die künstlerische Leitung hatte Roman Karmen; man hört Lieder von Evgenij Evtuschenko und Bulat Okudschava. Und natürlich im Vorspann jeder Folge die Melodie der Hymne vom „Heiligen Krieg“, die man heute in Deutschland bei Gedenkfeiern zu Ehren der sowjetischen Opfer nicht singen oder abspielen darf. 

6. Foto: Ein Kriegsgefangenenlager in der Sowjetunion (Vernichtungskrieg, S. 129)
7. Foto: Ermordete sowjetische Kriegsgefangene in Bobruisk 1941 (Vernichtungskrieg, S. 135)

Die deutsche Fassung trug übrigens den Titel „Der unvergessene Krieg“. Ich kann mich noch erinnern, dass die VVN-Bund der Antifaschisten 1981 öffentliche Vorführungen im Saarbrücker Camera-Kino organisierte. Man kann sich die Filmreihe heute noch in der Originalfassung auf You Tube ansehen (Suchwort: The Unknown War Youtube):  Folge eins, vom heimtückischen Überfall Deutschland auf die Sowjetunion unter Bruch eines rechtskräftigen Nichtangriffsvertrages, ohne Kriegserklärung; vom heldenhaften Widerstand der Festung Brest, die den ersten Ansturm abbekam, und wo 4.000 Sowjetsoldaten 17.000 Mann der deutschen Wehrmacht aufzuhalten versuchten; vom schnellen Vorstoß der Nazi-Armeen bei vor die Tore Moskaus. Folge zwei über die Schlacht von Moskau und das Scheitern des bis dahin meist erfolgreichen deutschen „Blitzkrieges“; Folge drei über die Belagerung Leningrads, wo mehr als eine Million von zwei Millionen Einwohnern verhungerten und erfroren, und wo die Menschen aufgeweichte Tapeten und Brot aus Sägespänen aßen, um zu überleben, und trotz allem der Blockade standhielten; und wo schließlich ein Zugangsweg durch den Belagerungsring über den zugefrorenen Ladogasee die Versorgung wieder möglich machte.

Weitere Folgen erzählen von der Schlacht um Stalingrad und dem Überleben in der Stadt; über die Kriegswende, die die sowjetischen Streitkräfte und die Zivilbevölkerung hier am Ufer der Wolga herbeiführten; vom Krieg in der Arktis um den eisfreien Hafen Murmansk, das Ziel alliierter Hilfskonvois zur Unterstützung der Sowjetunion. Sie erzählen vom  Partisanenkrieg, von der Befreiung der Ukraine, Belorusslands und Polens und am Ende vom Fall Berlins und der Befreiung Europas vom Faschismus. 

Folge vier beeindruckt mit einem Aspekt in diesem Krieg, der in der neueren historischen Betrachtung meist übersehen wird: die Evakuierung von etwa zehn Millionen Menschen im ersten Kriegsjahr nach Osten  und die Verlegung der wichtigsten Teile der sowjetischen Industrie hinter den Ural und nach Zentralasien, wo in kurzer Zeit neue, leistungsfähige Industrie-und Rüstungszentren entstanden, die mit neuen Panzern, neuen Flugzeugen und neuer Technik die Übermacht der Faschisten brechen konnten. Die Evakuierungs-Aktion begann drei Tage nach dem Überfall und wurde geleitet vom späteren Ministerpräsidenten der UdSSR, Kossygin. Endlose Kolonnen von Menschen mit Fuhrwerken und Handkarren, Viehherden, Lastwagen, für die Kampfflugzeuge und Bomber der Wehrmacht ein ebenso leichtes Ziel wie die endlosen Güterzüge mit Maschinen, Rohstoffen und anderem Material. Die Hälfte der Arbeitskräfte in den neuen Industriezentren waren Frauen; auch Jugendliche in großer Zahl montierten Gewehre und andere Waffen. Alle diese Menschen schufteten bis zum Umfallen und nahmen härteste Arbeitsbedingungen und vielfache Entbehrungen auf sich, damit die Sowjetunion überleben und die faschistischen Besatzer am Ende besiegen konnte.

Nach der Ausstrahlung der Filme über den „unvergessenen Krieg“ dauerte es noch vier Jahre, bis der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) am           8. Mai 1985  in einer Rede, die so heute von keinem regierenden deutschen Politiker mehr gehalten würde, einräumte, dass die bedingungslose Kapitulation Hitlerdeutschlands vierzig Jahre zuvor auch eine Befreiung gewesen sein könnte. „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung“, waren von Weizsäckers Worte.

Versöhnung wird heute hierzulande nicht mehr gewünscht, und Erinnerung findet so gut nicht mehr statt. Der 1981 noch „unvergessene“ Krieg wird gezielt dem Vergessen anheimgegeben. Das EU-Parlament hat 2008 nicht den 22. Juni 1941, sondern den 23. August 1939, den Tag des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages, als Tag des Gedenkens ausgerufen. Es hat in einer weiteren Resolution vom 19. September 2019 unter dem Titel „Bedeutung der Erinnerung an die europäische Vergangenheit für die Zukunft Europas“ die Staaten der Europäischen Union zu dem Erinnerungsnarrativ verpflichtet, „Stalin und Hitler“, das „nationalsozialistische“ Hitlerdeutschland und die „stalinistische“ Sowjetunion, trügen gemeinsam die Schuld am Zweiten Weltkrieg und am „Holocaust“.  

Die EU-Resolution nimmt damit teil an dem Umschreiben der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, das spätestens seit dem Ende der DDR und der Sowjetunion im Gange ist. Die Initiative zu der Resouktion war von den baltischen Staaten und Polen ausgegangen. Von den 653 Abgeordneten stimmten 535 dafür und 66 dagegen. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ab 22. Juni 1941 erscheint danach als selbstverschuldetes Schicksal eines Schurkenstaates. Die EU-Resolution ist ein ungeheures Stück Kriegsvorbereitung gegen Russland.

8. Foto: Antijüdisches Pogrom in Tarnopol (Vernichtungskrieg, S. 69, Bild 3)
9. Foto: Russisches Kind putzt deutschem Soldaten die Schuhe. (Die Deutsche Reichsbahn 1939 – 1945. Zwischen Ostfront und Atlantikwall. Von Andreas Knipping und Reinhard Schulz. Weltbild Verlag, Augsburg 2006, S. 284:

Ein deutscher „Herrenmensch“ lässt sich von einem kleinen russischen „Untermenschen“ die Schuhe putzen. Ein Foto aus einem Buch über die Deutsche Reichsbahn 1939 bis 1945.

Am Holocaust-Gedenktag wird alljährlich ignoriert, dass auf den Tag genau ein Jahr vor der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, am 27. Januar 1944, Leningrad von der Sowjetarmee befreit wurde und die Blockade der Stadt endete, in der mehr als eine Millionen Menschen dem Hungertod preisgegeben wurden. Die Bundesrepublik verweigert bis heute den nicht-jüdischen, d.h. den „nur“ russischen, Überlebenden der Blockade eine Entschädigung.  Zahlung nach „Rasse“ und „Volkstum“ – das haben die Nazis auch so gehalten.  

Bei offiziellen Gedenkveranstaltungen zur Befreiung von Auschwitz und anderen Anlässen, so sie noch stattfinden, sind Vertreter der Russischen Föderation nicht zugelassen. Aus Diskussionen über eine Neugestaltung der Kapitulationsgedenkstätte in Berlin-Karlshorst werden Fachleute aus Russland ausgeschlossen. Die Denkmale des Großen Vaterländischen Krieges und des sowjetischen Sieges über den deutschen Faschismus werden „kontextualisiert“ und mit verfälschenden Kommentaren versehen. Ganze Kommissionen sind damit beschäftigt, die Denkmale umzudeuten, wahrscheinlich, um sie bald ganz verschwinden zu lassen. Bei Gedenkfeiern an diesen Denkmalen darf keine Sowjetfahne, kein Sankt-Georgs-Band und kein anderes sowjetisches Emblem gezeigt werden; das Singen sowjetischer Kampflieder ist verboten. Die Veranstalter müssen vorab einen ganzen Kanon von Handlungen herunterbeten, die beim Gedenken an die sowjetischen Opfer nicht erlaubt sind. Die KZ-Gedenkstätte Dachau lässt von Kränzen zum Gedenken an ermordete sowjetische Kriegsgefangene die Schleifen in den Nationalfarben Russlands und von Belarus entfernen. Man stelle sich einen solchen Umgang der heutigen Russischen Föderation mit deutschen Kriegsgräberstätten in Russland vor.

„Russland ist für uns immer eine Bedrohung und eine Gefahr“, tönte Bundesaußenminister Johann Wadephul kurz nach seiner Ernennung. Was heißt „immer“? Bis in alle Ewigkeit? Wadephuls Amtszeit endet in etwa drei Jahren. Spätestens. Bundeskanzler Friedrich Merz – mit der gleichen Halbwertzeit –  erklärte im Februar 2026 in einem Interview in der „Rheinpfalz“ auf die Frage, ob es „mit jemandem wie Putin, der den Oppositionellen Alexej Nawalny in einem Straflager vergiften ließ, je wieder normale Beziehungen geben“ könne: „‚Ich halte das für nahezu ausgeschlossen. Wenn ich mir dieses Regime anschaue und diesen blindwütigen Terror, habe ich wenig Hoffnung. (…) Wir erleben im Augenblick dieses Land in einem Zustand der tiefsten Barbarei. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern, und damit müssen wir uns abfinden.“ 

10. Foto: Besetzung eines Dorfes (Vernichtungskrieg, S. 152)
11. Foto: Exekution von Dorfbewohnern (Vernichtungskrieg, S. 94, Bild 6)
12. Foto: Ermordete Partisanen in Minsk (1941Vernichtungskrieg, S. 136)

Bundespräsident Steinmeier betonte Ende März 2026 in seiner Rede zum 75-jährigen Bestehen des Auswärtigen Amtes: „Europa muss heute seine Sicherheit gegen Russland, nicht mit Russland organisieren.“  

Blindwütiger Terror und tiefste Barbarei. Der vergessene unvergessene Krieg. Ich fragte Chatgpt: „Was wissen Sie vom 22. Juni 1941“?  ChatGpt antwortete: „Historisch gilt der 22. Juni 1941 als einer der folgenreichsten Tage des 20. Jahrhunderts. Viele Historiker sehen in der Eröffnung der Ostfront einen Wendepunkt, weil Deutschland dadurch in einen langwierigen Zweifrontenkrieg geriet, der schließlich zur Niederlage des NS-Regimes beitrug.“  (link: https:// chatgpt.com/s / t_6a301345bce081919d2534718937a8e1).

Was war das denn?

Die Wende kam, weil Hitler sich irrte? 

Und von welchen zwei Fronten redet Chatgpt?

Als in den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 an einer fast 3000 Kilometer sich ausdehnenden  Front vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer 153 deutsche Divisionen, – mehr als 4,6 Millionen Soldaten, ausgerüstet mit 4.300 Panzern, mehr als 4.000  Flugzeugen und 42.000 Geschützen und Granatwerfern – in die Sowjetunion einfielen , gab es nur diese eine Front. Die Sowjetunion war auf sich gestellt.

Westlich der „Ostfront“ herrschte bis zur Atlantik-Küste das faschistische Deutschland nach Eroberungszügen gegen Dänemark, Norwegen, Luxemburg, Belgien, die Niederlande, Frankreich,  Griechenland und Jugoslawien. Mit Hitlerdeutschland traten schon im Juni 1941 Italien und Rumänien, die Slowakei, Finnland und Ungarn in den Krieg gegen die Sowjetunion ein. Später kamen Verbände aus Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Kroatien, den Niederlanden, Norwegen und Spanien hinzu. Großbritannien war, nachdem die Wehrmacht das britische Expeditionskorps bei Dünkirchen ins Meer getrieben hatte,  deutschem Bomben-und Raketenterror ausgesetzt; für einen Landkrieg hatte die Seemacht, die die Weltmeere beherrschte, nichts aufzubieten. Dafür sollte Frankreich einstehen. „Thank God for the French Army“, Dankt Gott für die französische Armee, hatte Premierminister Churchill schon 1933 im britischen Unterhaus ausgerufen. Aber die französische Armee kapitulierte im Juni 1940, und in Vichy installierte sich eine französische Regierung unter Marschall Pétain, die mit dem faschistischen Deutschland kollaborierte. Eine halbe Million fanatisch antijüdischer und antikommunistischer Freiwilliger aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Estland, Lettland, Litauen und der „Ukraine“ beteiligte sich an diesem Vernichtungskrieg. Fast ganz Europa stellte seine militärischen, technischen und ökonomischen Ressourcen freiwillig oder gezwungen in den Dienst der faschistischen Kriegsmaschinerie. Diese machte die Arbeit von 13 bis 15 Millionen Menschen in den besetzten Gebieten, aus KZ und Kriegsgefangenenlagern zur Beute, indem sie sie als Zwangsarbeiter das Kriegsmaterial produzieren ließen, mit dem an den Fronten ihre Landsleute und Angehörigen getötet wurden. Sechzig bis siebzig Prozent aller Großbetriebe im besetzten Europa befanden sich unter deutscher Kontrolle. Der Gesamtwert der Ressourcen, die in den europäischen Ländern ausgeplündert wurden, lag bei 233,5 Milliarden Reichsmark. Vierunddreißig Prozent aller Ausgaben Nazi-Deutschlands wurden durch die Ressourcen der besetzten Länder Europas abgedeckt.

Die zweite Front auf dem europäischen Kriegsschauplatz, die die Sowjetunion in ihrem Kampf entlastete, eröffneten die West-Alliierten erst drei Jahre nach dem Überfall, am 6. Juni 1944, mit der Landung in der Normandie. Und auch erst dann, als die Sowjetarmee in Stalingrad die Wende im Krieg erkämpft hatte und es sicher schien, dass sie den Sieg davontragen würde. Die Antihitler-Koalition, in der sich 26 Staaten, geführt von der UdSSR, den USA und Großbritannien, mit der „Erklärung der Vereinten Nationen“ zusammengeschlossen hatten , war schon Anfang Januar 1942 gebildet worden und unterstützte die UdSSR mit Krediten und Kriegsmaterial. Gleichzeitig produzierten große Konzerne in Deutschland wie die Vereinigten Stahlwerke, Opel, Ford, ITT oder AEG mit Kapital-Investitionen aus den USA für Hitlers Kiegsmaschine. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS), Hitlers Kriegsbank und Haupt-Devisendepot in der Schweiz, wurde ab 1940 von einem Wall Street-Manager, Thomas Kittrick, geführt. 

Warum Barbarossa? „Als Kaiser Rotbart lobesam, zum heil’gen Land gezogen kam…“ Das Gedicht haben wir noch in der Schule gelernt, „Schwäbische Kunde“, von Ludwig Uhland. Die Nazis benannten den Krieg gegen die Sowjetunion nach dem staufischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Der hatte sein Leben lang Krieg geführt, u.a. auch gegen Polen, und war auf seinem zweiten Kreuzzug gegen die „Heiden“ in der heutigen Südtürkei im Fluss Saleph ertrunken. Im Juni. Am 10. Juni 1190.

Nach Kontrolle über das riesige russische Staatsgebiet, das sich von Osteuropa  bis  ins fernöstliche Asien erstreckt, strebte schon das Britische Weltreich und streben heute noch die USA und neuerdings auch die EU. Halford Mackinder, ein britischer Geographie-Professor, hat dieses „Herzland“ 1904 als „geographischen Dreh-und Angelpunkt der Geschichte“ beschrieben. Zbigniew Brzezinski, „Sicherheits“-Berater mehrerer Präsidenten der USA, ließ sich von ihm  inspirieren, als er 1997 in seinem Buch „The Grand Chessbord“ (Das große Schachbrett), „Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ vorstellte. 

Zwanzig Jahre nach Mackinders Vorlesung vertrieb sich ein Mann namens Adolf Hitler die Zeit im Gefängnis , indem er ein Programm „nationalsozialistischer Außenpolitik“ zu Papier brachte, in einem Buch mit dem Titel „Mein Kampf“. Damit wurden die außenpolitischen Ziele der Nazis schon lange vor der Weisung der deutschen militärischen Führung zum „Fall Barbarossa“ festgelegt, die im Dezember 1940 erging. Der Mann, der am 30. Januar 1933 zum deutschen Reichskanzler ernannt wurde, schrieb 1925: „Deutschland wird entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein. (…) Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir (…) gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir (…) heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken. Das Schicksal selbst scheint uns hier einen Fingerzeig geben zu wollen. Indem es Rußland dem Bolschewismus überantwortete, raubte es dem russischen Volke jene Intelligenz, die bisher dessen staatlichen Bestand herbeiführte und garantierte. Denn die Organisation eines russischen Staatsgebildes war nicht das Ergebnis der staatspolitischen Fähigkeiten des Slawentums in Rußland, sondern vielmehr nur ein wundervolles Beispiel für die staatenbildende Wirksamkeit des germanischen Elementes in einer minderwertigen Rasse.“

In der Schlucht von Babij Yar bei Kiew erschoss die SS am 29. Und 30. September 1941  nach eigenen Angaben an nur zwei Tagen 33.771 Juden. Pioniere sprengten anschließend die Ränder der Schlucht und planierten das Massengrab.  Ist nicht die Straße, die von Kiew aus dorthin führt, heute nach dem Faschisten und Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera benannt.

In seinem 1928 vollendeten, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichten „Zweiten Buch“ schrieb Hitler, nicht die Wiederherstellung der Grenzen von 1914 sei das Ziel, sondern der permanente Kampf um „Lebensraum“, um den „Boden“, d.h. das Land, dem Volk, d.h. der immer weiter wachsenden Zahl des deutschen Volkes, „anzupassen.“  „Die Außenpolitik der nationalsozialistischen Bewegung“, so Hitler, „wird immer eine Raumpolitik sein. Das deutsche Bürgertum wird in seinen kühnsten Plänen etwa bis zum Zusammenschluß der deutschen Nation gelangen, in Wirklichkeit aber meist in stümperhaftem Grenzregulieren aufgehen. Die nationalsozialistische Bewegung wird demgegenüber stets ihre Außenpolitik von der Notwendigkeit bestimmen lassen, dem Leben unseres Volkes den nötigen Raum zu sichern. Sie kennt kein Germanisieren oder Deutschisieren (…), sondern nur eine Ausbreitung des eigenen Volkes. Sie wird im unterworfenen, sogenannten germanisierten Tschechen oder Polen niemals eine nationale oder gar völkische Stärkung erblicken, sondern eine rassische Schwächung unseres  Volkes.“ 

13. Foto: Massenmord in Babij Yar (Vernichtungskrieg, S. 79)
14. Foto: Antijüdisches Pogrom in Tarnopol Juli 1941 (Vernichtungskrieg, S. 69, Bild 4)

Das mag einem wie die Ausgeburt eines durchgeknallten Hirns vorkommen. Aber die Politik mit dem Ziel, „Lebensraum“ für die Deutschen zu gewinnen, die jüdische Bevölkerung und die slawischen Völker auszurotten, den „jüdischen Bolschewismus“ in Gestalt der Sowjetunion zu vernichten, sich ihre Rohstoffe anzueignen und in den entvölkerten Gebieten „arische“ deutsche Siedler anzusiedeln, versuchte  Hitlerdeutschland Zug um Zug umzusetzen. 1938 Annexion Österreichs; 1938 – 1939 Zerschlagung und Aufteilung der Tschechoslowakischen Republik (CSR). Am 1. September 1939 begann der von der NS-Führung vorbereitete, vom Atlantik bis vor die Tore Moskaus, vom Nordkap bis zum Mittelmeer, zum Kaukasus und bis nach Nordafrika getragene Krieg zur „Neuordnung“ Europas und der Welt.

Der Krieg Hitlerdeutschlands gegen die Sowjetunion war nicht nur ein  „Weltanschauungskrieg“ gegen den „jüdischen Bolschewismus“, sondern ein systematisch geführter Vernichtungskrieg gegen die slawischen Völker. Die Planung für die „kalkulierten Morde“   dokumentierte der  „Generalplan Ost“, ein Werk mehrerer aufeinanderfolgender Pläne von 1939 bis 1943, die „nach Osten hin Schritt für Schritt (…) im Gleichschritt mit den deutschen Eroberungen“ fortgeschrieben wurden.  

Schon vor dem Überfall fasste der vom Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Herbert Backe, niedergeschriebene „Hungerplan“ das deutsche Regierungsprogramm für das Vorgehen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion zusammen. Eine Aktennotiz stellte dazu am 2. Mai 1941 fest: „1.) Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Rußland ernährt wird. 2.) Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das Notwendigste aus dem Lande herausgeholt wird. 3.) Am wichtigsten ist die Bergung und der Abstransport von Ölsaaten, Ölkuchen, dann erst Getreide.(…)“. 

15. Foto: Plünderung von Lebensmitteln (Vernichtungskrieg, S. 91, Bild 3)
15 a. Foto: Abtransport von Vieh (Vernichtungskrieg, S. 91, Bild 4)

Der „Generalplan Ost“ gab als weiteres Vorgehen in der Sowjetunion vor: Die  „Ermordung, Aushungerung und Vertreibung von 30 bis 40 Millionen Slawen und sonstigen „Untermenschen“ – Polen, Juden, Russen, Weißrussen, Ukrainern, Sinti und Roma und natürlich „Bolschewisten“ beliebiger Herkunft . Darauf sollte „die deutsche Besiedelung riesiger Ländereien des Ostens folgen, von Leningrad bis zur Ukraine, zur Krim, zum Donez-und Kubangebiet, zur Wolga und zum Kaukasus; phantasiert wurde auch vom Ural und vom Baikal-See.“ 

Als wichtigste Schritte waren vorgezeichnet: Die „Ermordung der Juden (über 500.000 allein durch die SS-„Einsatzgruppen“), der politischen  Kommissare der Sowjetarmee und aller Funktionäre des Staatsapparates und der KPdSU, Liquidierung jeglichen Widerstandes und Mord an allen des Widerstands irgendwie Verdächtigen (von SS und Wehrmacht vom ersten Tag an umgesetzt),

und die Ausplünderung und anschließende Absperrung ganz Belorusslands und großer Teile Nord-und Mittelrusslands von Lebensmittel-Lieferungen.

Die sowjetischen Großstädte, – Moskau, Leningrad, Stalingrad –  sollten als „Brutstätten des Bolschewismus“ ausgelöscht werden. In seiner Gesamtheit stellte der „Generalplan Ost“ einen „sorgfältig geplanten Rassen-und Völkermord dar“, schloss „in seiner rassistischen Vernichtungsabsicht Dutzende von Millionen Slawen ein“, und  war „ zugleich ein zentrales Experimentierfeld für den Mord an den Juden, der europaweit, ja weltweit vorgedacht war“. Im Unterschied zur Shoa enthielt 

der „Generalplan Ost“ aber auch „ein riesiges Raub-und Expansionsprogramm“.

16. Foto: Erhängungen an Balkonen in Charkow (Vernichtungskrieg, S. 97, Bild 1)
17. Foto: Jugendliche Partisanen werden gehängt (Vernichtungskrieg, S. 145, Bild 5)
18. Foto: Abtransport von Vieh durch die Wehrmacht (Vernichtungskrieg, S. 91, Bild 6)
19. Foto: Plünderung von Geflügel (Vernichtungskrieg, S. 91, Bild 1)
20. Foto: Plünderung von Vieh (Vernichtungskrieg, S. 91, Bild 2)
21. Foto: Abtransport zur Zwangsarbeit (Vernichtungskrieg, S. 151)

Fast sechzig Prozent des Ackerlandes der UdSSR fielen den deutschen Besatzern in die Hände. Die Landbevölkerung musste Vorräte, Vieh, Getreide und Lebensmittel an die Besatzer abliefern.

 

Zur Rekrutierung von Zwangsarbeitskräften für die deutsche Kriegswirtschaft fanden regelrechte „Menschenjagden im Osten“ statt. Die „Erlaubnis, sich von den Verwandten zu verabschieden, wurde verweigert; ohne Wäsche, Kleider, oft barfuß wurden sie in Wagen eingesperrt.“ Erschießungen wurden „angedroht“, Prügel verabreicht. 

Besonders hart traf es die Belorussische Sowjetrepublik, heute Belarus. „Nach drei Jahren Besatzung (1941 bis 1944)“ waren „nahezu 1,7 von zehn Millionen Einwohnern (…) ermordet. Fast 400.000 als Zwangsarbeiter verschleppt.(…) Die Städte des Landes (…) zum Großteil in Ruinenfelder verwandelt. Drei Millionen Menschen (…) obdachlos. Die industrielle Kapazität tendierte gegen Null, und der Viehbestand war um 80 Prozent gesunken.“  Mehr neuntausend Dörfer wurden zerstört, von den Okkupanten verbrannt, die Einwohner erschossen oder ins Feuer getrieben, nur Kamine blieben stehen. In Gedenkstätten wie Chatyn bei Minsk oder in Dremljewo kann man sich über das Schicksal dieser „Feuerdörfer“ informieren. 

Der Vormarsch der Invasoren Richtung Moskau war gesäumt von Massengräbern mit ermordeter Zivilbevölkerung. Sie wurden erschossen oder aufgehängt an Balkonen, an Straßenlaternen, an mobilen Galgen. Opfer der Jagd der SS-Einsatzkommandos und der Wehrmacht auf „Juden“, „Kommunisten“ und „Partisanen“.

22. Foto: Erhängungen an Balkonen in Charkow (Vernichtungskrieg, S. 98, Bild 3)
23. Foto: Vernichtungskrieg, S. 99: Erhängungen an den Balkonen in Charkow, Bild 5

Und heute. Sind wir auf den Weg zu Barbarossa 2.0?  Ich befürchte, dass die NATO und die EU seit langem dabei sind, einen neuen Krieg gegen Russland vorzubereiten. Was spricht dafür?

Die konsequente und beharrliche Weigerung, mit „Putin“, d.h. der Russischen Föderation, zu reden. Die permanente Weigerung, auf die wiederholten Erklärungen Moskaus und seiner Repräsentanten, dass es keine Absicht habe, den Westen und die NATO anzugreifen, einzugehen. 

Die Erweiterung der NATO um Finnland, die Baltischen Staaten, Polen und Rumänien. Die Pläne über die Aufnahme der Ukraine und Georgiens. Die Weigerung des Westens im Dezember 2021, über europäische Sicherheitsvereinbarungen mit der Russischen Förderation auch nur zu reden. 

Der Stellvertreterkrieg der Ukraine als Rammbock des Westens gegen Russland. Die  Unterstützung der Ukraine durch die USA und jetzt vor allem die EU mit Milliarden und Abermilliarden von Euro und Dollar, mit  Waffen, Satellitenkommunikation und  Geheimdienstinformationen. 

Die 46 von den USA finanzierten Biolabore der USA längs der russischen Grenzen, in der Ukraine, Georgien und in Armenien, in denen Gain-of-function-Forschung betrieben wird, d.h. Experimente mit der Übertragbarkeit tödlicher Viren vom Tier auf den Menschen stattfinden. 

Die Verlagerung der Produktion ukrainischer Langstreckendrohnen und – Raketen in Länder der EU, auch nach Deutschland. Die zumindest stillschweigende Duldung Estlands und Lettlands, dass ukrainische Drohnen zu Angriffen auf St. Petersburg über ihr Territorium fliegen. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische nukleare Frühwarnsysteme; das Zündeln der Ukraine mit Angriffen auf das Kernkraftwerk in Saporosche, das von russischen Fachleuten betrieben wird.  

Die Produktion ukrainischer Langstreckendrohnen und – Raketen in Deutschland; die Planung der deutschen Regierung, unser Land bis 2029 „kriegstüchtig“ zu machen; die Weichenstellung auf Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Fachsimpeleien führender deutscher Luftwaffenoffiziere über mögliche Raketenangriffe auf die Brücke von Kertsch. Die Ankündigung des Generalinspekteurs der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, im Interview mit der britischen Zeitung „The Telegraph“,  „heute Nacht“ – „fight tonight“ –  bereit zu sein, Kaliningrad, die Kola-Halbinsel, Sankt Petersburg und die russischen Gebiete am Schwarzen Meer anzugreifen. Neuer Anlauf auf alte Ziele. Die Stationierung der Panzerbrigade 45 in Litauen und deutscher Truppen in Estland – so weit östlich stand deutsches Militär zuletzt 1942. 

Die Eröffnung eines „maritimen taktischen  Hauptquartiers für die NATO 2025 in Rostock, das dann in einen normalen Bundesmarine-Stützpunkt umdeklariert wurde, als bekannt wurde, dass ein NATO-Stützpunkt auf ehemaligen DDR-Gebiet gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag verstieß. Die Übergriffe französischer und britischer Kriegsschiffe auf Tanker der angeblichen „russischen Schattenflotte“ in der Ostsee und im Atlantik als Vorgeplänkel einer Blockade der Ostsee und des Hafens von St. Petersburg, die Baltischen Staaten vorne mit dabei. 

Die provokativen westlichen Übergriffe gegen russische Handelsschiffe, die Russland inzwischen von Kriegsschiffen begleiten lässt, schüren den Konflikt und machen „Zwischenfälle“, die dann den Westen zum Handeln veranlassen sollen, immer wahrscheinlicher. Das erinnert mich an die Planungen der obersten militärischen Führung Deutschlands 1938 im Zusammenhang mit der Zerschlagung der Tschechoslowakei: Um eine „legitime Selbstverteidigung“ vorzutäuschen, sollte ein „unerträglicher Zwischenfall“ in der CSR inszeniert werden, wie z.B. die „Ermordung des deutschen Gesandten im Anschluß an eine deutschfeindliche Demonstration.“   Ein solch „unerträglicher Zwischenfall“ vor dem Überfall auf Polen war dann der von der SS inszenierte  Überfall auf den Sender Gleiwitz, wo in polnische Uniformen gesteckte KZ-Häftlingen als „polnische Angreifer“ erschossen wurden. . 

Die Regierung in Kiew, die inzwischen einen regelrechten Kult um Faschisten und Nazi-Kollaborateure wie Andrej Melnik, Roman Schuchewitsch oder Stepan Bandera betreibt, und die es zulässt, dass ihre Soldaten sich mit Nazi-Eblemen und – Tattoos schmücken, hängt inzwischen vollständig am Tropf der EU und der USA, die ihre Staats-und Militärausgaben finanzieren. Die Auslandsverschuldung der Ukraine hat  inzwischen 110 % des BIP erreicht. Sie wird, auch wenn ihr die Soldaten ausgehen, mit ihren in Deutschland produzierten Drohnen und Raketen noch lange in der Lage sein, Krieg gegen Russland zu führen, ohne dabei etwas für die eigene Bevölkerung und die eigene Staatlichkeit zu gewinnen. Wahllose Angriffe auf Öl-Anlagen ebenso wie auf zivile Ziele sollen spektakuläre Bilder schaffen, die die Illusion ukrainischer Unbesiegbarkeit schaffen. Kiews Drängen auf Aufnahme in die EU hat offensichtlich das Ziel, den Westen auf diesem Wege noch weiter in den Krieg gegen Russland hineinzuziehen. Ungeachtet dessen, dass die führenden Mächte in Westeuropa – Deutschland, Großbritannien und Frankreich – durch ihre Unterstützung für Kiew bereits Kriegsparteien sind. Artikel 42 Absatz 7 des Vertrags von Lissabon verpflichtet die Mitgliedstaaten zu militärischem Beistand, falls ein Mitglied angegriffen wird. Die Beistandsverpflichtung ist zwingender als Artikel 5 des NATO-Vertrages. Wird die Ukraine, während sie sich im Krieg mit Russland befindet, in die EU aufgenommen, müssen die Armeen der Mitgliedstaaten gegen Russland marschieren.

Russland ist eine Atommacht mit einer eigenen Nukleardoktrin, die besagt, dass auf einen Angriff des Westens mit nuklearen oder konventionellen Waffen, der die Staatlichkeit und die Lebensgrundlagen Russlands existenziell bedroht, mit nuklearen Mitteln beantwortet wird. In Russland mehren sich Stimmen, die fordern, dass Putin beim Überschreiten weiterer „roter Linien“ durch den Westen nicht länger stillhalten, sondern zu demonstrativen Zwecken auf weitere militärische Provokationen mit einem taktischen Atomwaffeneinsatz reagieren solle. Damit im Westen die Angst vor dem Atomkrieg wieder wach wird. 

Die NATO-Osterweiterung bringt feindliches Kriegspotenzial immer näher an die Grenzen Russlands. Kirill Strelnikow schrieb am 3. April 2026: „Mehr als zehn Prozent der russischen Bevölkerung sind im Großraum Moskau konzentriert. Im Fall eines Krieges könnte der Westen sie alle schon mit dem ersten Nuklearschlag vernichten. Aber auch mit konventionellen Waffen ist die russische Hauptstadt zunehmend verwundbar. Höchste Zeit, umzuziehen.“  Der Abstand feindlicher Raketen zu Moskau und St. Petersburg, so Kirill Strelnikow, wird geringer. „Während des Kalten Krieges lag St. Petersburg etwa 1.000 Meilen und Moskau 1.300 Meilen von den NATO-Streitkräften entfernt. Heute hat sich diese Entfernung auf etwa 100 bzw. 500 Meilen verkürzt. Die Flugzeit von NATO-Raketen nach Moskau wird derzeit in Minuten berechnet, nach St. Petersburg sogar noch weniger.“  – Der Autor beruft sich dabei auf einen Bericht des US-Thinktanks Stratfor mit dem Titel: „Die Geopolitik Russlands:Die ewige Bedrohung‘“ aus dem Jahre 2008.  Der Bericht schlage „die einzig vernünftige Lösung vor“, nämlich „nach Norden und Osten zu ziehen, um eine durch den Ural geschützte Festung zu errichten, damit selbst im ungünstigsten Fall (zum Beispiel dem Fall Moskaus) immer noch ein Russland existiert, von dem aus man wieder aufleben kann.“   

Da fällt mir Folge vier des Films „Der unvergessene Krieg“ wieder ein, die sowjetische Evakuierungsaktion nach Osten unmittelbar nach dem 22. Juni 1941.  Die politischen, öknomischen und militärischen Vorbereitungen Deutschlands und des Westens auf einen neuen Krieg gegen Russland: die selbe Propaganda, die selben Feindbilder wie 1941 und die alte Frontlinie: Finnland, Baltikum, Polen, Ukraine, Rumänien, Kaukasus. 

Also, ich habe die ganz massive Befüchtung, dass es spätestens 2030 so weit ist. Wenn nicht schon vorher eine russische Oreschnik einen der Produktionsstandorte ukrainischer Drohnen und Raketen in Deutschland getroffen hat, der ganze Westen lauthals einen „brutalen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“ Russlands feststellt und  dann „zurückschießt“. Um fünf Uhr fünfundvierzig oder auch schon „tonight“

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