Patrick: 

Sollte man das Projekt fortsetzen und wenn ja, warum?

Das Projekt sollte defintiv fortgesetzt und am besten um weitere Universitäten erweitert werden. Aufgrund der momentanen Lage ist es sowieso schon schwer genug nach Russland zu kommen, ich befürchte jedoch als bloßer Tourist würde man zwar den ein oder anderen Kontakt machen, durch die Uni (und deren Voluntäre – bitte unbedingt das System beibehalten), trifft man jedoch Einheimische und hat sofort Bezugspersonen. So lernt man das Land viel intimer kennen.

Mit einem der Wolgograder Voluntäre haben wir uns sogar so sehr angefreundet, dass er spontan einen Flug buchte und uns auf unserer Reise nach Moskau begleitete.

Was bringt Ihr Euren deutschen Freunden mit? 

Einblicke in das Leben und den Alltag in Russland, die man nicht als bloßer Tourist und ganz bestimmt nicht aus den Medien bekommen kann. Besonders Deutsche als überwiegend sehr staatsgläubiges Volk laufen Gefahr wenn sie von sich auf Andere schliessen. Osteuropäer haben aufgrund ihrer Geschichte ein viel größeres Misstrauen gegenüber staatlichen Meinungen. Russen sind in ihren Ansichten viel vielfältiger und auf jeden Fall anders, als einem hier suggeriert wird.

Wie kompliziert war die Anreise aus Sicht der Teilnehmer, welche Probleme gab es? 

Die Anreise verlief sehr entspannt. Wer Reisen außerhalb der EU kennt, der ist an Passkontrollen usw gewöhnt. Bei der Umbuchung auf einen frühen Flug von Kaliningrad nach Moskau wurden nur fünf von uns sechs umgebucht. Zum Glück ließ sich das noch kurzfristig am Flughafen klären.

Was war besonders beindruckend? Was war nicht so gut?

Sehr beeindruckend war die Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit der Russen die wir getroffen haben und mit denen wir uns an der Uni angefreundet haben. Auch die Besuche an den historischen Stätten und hinterließen einen tiefen Eindruck. Die direkt nebeneinander liegenden Friedhöfe von sowjetischer und nationalsozialistischer Armee hinterließen einen tiefen Eindruck. Beide nebeneinander und sehr gepflegt stellen eine schöne Geste der Versöhnung dar.

Wie war der Umgang mit den russischen Begleitern?

Super, man merkte den Voluntären an, dass sie nicht nur ihren Auftrag erfüllen, sondern uns tatsächlich kennenlernen wollten. Das spiegelte sich auch in einigen Freizeitaktivitäten und Treffen wieder zu denen sie sich freiwillig anschlossen (und man munkelt sogar gelegentlich ihre Vorlesungen schwänzten). Bei der Veraschbiedung merkte man auch ehrliche Trauer auf beiden Seiten, dass wir Freunde uns jetzt trennen mussten. Von nahezu allen neuen Freunden bekamen wir auch persönliche Abschiedsgeschenke.

Welche Vorurteile haben sich bestätigt oder als falsch herausgestellt?

Da ich selber teilweise osteuropäischen Hintergrund habe, war es für mich weniger überraschend, aber im Vergleich zu West (oder besonders Süd) Europäern lächeln Russen sehr wenig, und besonders nicht gegenüber Fremden. Umso herzlicher und aufrichtiger ist es dann, wenn man doch ein Lächeln hervorlocken kann. Die Bevoelkerung ist tatsächlich größtenteils konservativer als im Westen, was mich erfreute.

Westliche Medien suggerien je nach eigener Ausrichtung und Agenda, entweder, dass die Russen die Sowjetunion vermissen oder sich komplett davon abgewendet haben. Die Realität ist natürlich deutlich komplexer.

Was hat euch überrascht?

Zuerst müsste man wieder die extreme Herzlichkeit nennen, mit der wir aufgenommen wurden und andererseits der russische Blick auf die eigene Geschichte. Insgesamt werden Deutsche als sehr positive eingeschätzt und als eine Gruppe, die auch einen groessen Beitrag zur Entwicklung des alten Russlands geleistet hat.

Der Blick auf die jüngere Geschichte ist jedoch sehr diffus. Für mich wurde das am besten in der Allerheiligen Kirche am Mamajew Hügel deutlich. Neben Fresken zum mongolischen Joch, der Besatzung Moskaus durch Polen (1610 – ich hätte nicht erwartet, dass die Russen sich dieses Ereignisses so bewusst sind, ist es doch auch selbst in polnischer Geschichte fast vergessen), den napoleonischen Kriegen, finden sich auch welche die die Rote Armee im Kampf mit der Wehrmacht zeigen. Während die ersten drei Bilder, als Darstellungen der Verteidigung der russischen Heimat und der Orthodoxie vollkommen nachvollziehbar sind, so wirkt es auf aussenstehende befremdlich, fast schon schizophren, die Armee eines Regimes das millionenfach russische Christen verfolgt hat, positiv in einer Kirche darzustellen. Ähnliches gilt dafür der Tscheka ein Denkmal zu errichten. Es finden sich jedoch auch, so eins sahen wir in Moskau, es wurde z.T. staatlich finanziert ein Denkmal für die Opfer der sozialistischen Verfolgung.

Insgesamt ist positiv überraschend wie aktiv die Russen mit ihrer Geschichte verbunden sind. In Deutschland haben wir leider aufgrund von 12 Jahren den Kontakt mit den fast tausend Jahren davor aufgegeben und auch diese als schlecht deklariert. In Russland wirken manche Denkmäler jedoch so als sei das umgekehrte Extrem eingeschlagen worden: Alles in den letzten tausend Jahren wird als positiv angenommen. Unsere Begleiter lieferten dann ein differenzierteres Meinungsbild.

In allen drei Städten (Kaliningrad, Wolgograd, Moskau) fällt einem auch, insb. wenn man aus Berlin kommt, auf, wie sauber diese gehalten werden. Trotz widrigster Wetterbedingungen.

Ich kann nochmal nur betonen, wie großartig die Voluntäre, und auch einige andere Leute von der Uni waren, und wie schnell wir mit ihnen neue Freundschaften knüpfen konnten.

Was kann für folgende Reisen an der Universität verbessert werden?

Den Teilnehmern sollte geraten werden mehr Geld für Essen mitzunehmen. Die russische Küche ist sehr lecker und man findet in den Städten sehr schnell günstiges, gutes Essen, das Kantinenessen der Universiteat ist jedoch nicht besonders repräsentativ.

Was kann im Bezug auf die Reiseorganisation verbessert werden?

Die Reisen waren wirklich sehr gut organisiert, daher nur Kleinigkeiten hier:

  • Teilnehmer warnen mehr Geld mitzunehmen
  • Auf Schwierigkeiten mit dem Internet (nicht nur Mobil, sonder ggf auch an der Uni hinweisen, Studenten sollten sich nicht darauf verlassen, Aufsätze der heimischen Uni in den wenigen freien Stunden zu Ende schreiben zu können)
  • Gerne mehr Zeit in Moskau um mehr Museen und Kultur zu besichtigen