„Werte Gäste, liebe Freunde, danke dass Ihr gekommen seid, zumal der Weg hierher ein nicht ganz gewöhnlicher ist. Und dass wir ihn begehen konnten, verdanken wir dem Unternehmer Thomas Sommer, der uns seine Türen für diesen Anlass geöffnet hat, während uns diese in Bernau mit kryptischer Rätselhaftigkeit erst gar nicht geöffnet wurden. 

Wir stellen uns die Frage, unter welchen tagespolitisch gemütlichen Umständen im Rathaus Bernau das Gedenken an die Opfer des 2. Weltkrieges Platz findet?“

So begrüßte Torsten Rexin die zahlreich erschienenen Gäste in der Feierscheune des Unternehmers. 

Am 14. März 2026 eröffneten wir unsere Ausstellung im KFZ Fachbetrieb Sommer in Schwanebeck die bis zum 04.04.2026 ihre Türen offen hält. Wochentäglich von 16-19 Uhr und am Wochenende von 13-17 Uhr.

Sicher ein ungewöhnlicher Ort, der ungewöhnlichen Umständen geschuldet ist. 

Wir waren nicht überrascht, daß zu diesem Thema eine Vertreterin der russischen Botschaft erschienen war. Hält man es, unseres Wissens, in Russland mit der Geschichtswissenschaft anders als in Deutschland.

_Zeit sich zu erinnern“ steht auf unserer Einladung.

Wir wollen sehen, wie wir mit der Erinnerung umgehen, wenn wir uns schweigend vor den Opfern verneigen und damit gegen das VERSCHWEIGEN des unsäglichen Kriegsverbrechens durch die Täter laut werden.
Das ist ein sehr schwieriges Unterfangen und birgt einen Widerspruch in sich, der auch in unserer Einladung aufscheint und durchaus strittig ist. Dort steht: 

„Solange die Erinnerung an diese schrecklichen Tage in den Herzen der Menschen lebt, und an die nächste Generation weitergegeben wird, kann sich eine solche Tragödie nicht wiederholen.“  

Als dieser Satz entstand, war er vielleicht als eine feststehende, ja unerschütterliche Gewissheit gemeint. 

Heute muss diese Aussage aber in einen Aufschrei münden und sich als Frage in jedes Herz einbrennen:

„Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben…“

Gibt es so viele Blumen auf dem Gräberfeld von Piskarewka, der riesigen Grabstätte im Nordosten von Leningrad, dem jetzigen St. Petersburg?  Es müssten eine Million und noch mehr Blumen blühen für jedes Leben, das in den Blockadetagen zwischen September 1941 und Januar 1944 durch Hunger, Krankheit und Schwäche erlosch, aber auch für die Leben, denen es gelang, diese grausame Zeit von mehr als 872 Tagen zu überstehen. 

„Überleben“ wäre hier das unpassende Wort. Ein „Überleben“ hatten die Faschisten auch nicht einkalkuliert:

So klang das in einer Vortragsnotiz der Abteilung Landesverteidigung im OKW über die beabsichtigte Verwüstung Leningrads vom 21. September 1941:

2.) Stadt eng abschließen, möglichst mit einem elektrisch geladenen Zaun umgeben, der mit MGs bewacht wird:

Nachteile: Von etwa zwei Millionen Menschen werden die Schwachen in absehbarer Zeit verhungern, die Starken sich dagegen alle Lebensmittel sichern und leben bleiben. Gefahr von Epidemien, die auf unsere Front übergreifen…

3.) Frauen, Kinder, alte Leute durch Pforten des Einschließungsringes abziehen, Rest verhungern lassen.

DOKUMENT  47 (Der zweite Weltkrieg; Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1989 

Solch eine Tragödie soll sich nicht wiederholen können?

Wir stehen hier und heute und gedenken dieses Kriegsverbrechens vor acht Jahrzehnten. Aber in unser Gedenken lassen sich die Verbrechen der vergangenen Jahrzehnte nicht verdrängen und wir wollen das auch nicht. 

Von Korea, Son My, Vietnam, bis zum Gaza-Käfig und in den heutigen Tag hinein, bis jetzt, bis zu dieser Minute, setzt sich das fort, woran auf dem Friedhof in Piskarewka die Blumen erinnern. Die Kriegsverbrechen auf dieser Welt sollen nie vergessen werden, darüber soll kein Gras wachsen.

Und auf dem Memorial sollen Blumen wachsen, die gerade in der Heldenstadt Leningrad durch eine andere Generation von Deutschen mit einer neuen, nachwachsenden Generation zum Blühen gebracht werden und die den Gedanken des Friedens und der Völkerverständigung wachhalten.

Ja, jetzt, wo die Lehren von Piskarewka besonders in deutschen Köpfen untergepflügt und vergessen gemacht werden sollen, um neue Felder von Hass und Krieg zu bestellen, damit sich dieser furchtbare Kreislauf wiederholt. 

Passen wir auf unsere Blumen auf, damit sie nicht wieder auf neuen Soldatengräbern stehen müssen. Dafür lasst uns friedenstüchtig werden.

Im Jahre 1948, in dem buchstäblich noch die Trümmer und die menschlichen Leiden des Krieges in Deutschland und Europa sichtbar waren, und sich kein Mensch öffentlich für eine deutsche „Verteidigungsfähigkeit“ auszusprechen wagte, wurde eine Kinderorganisation gegründet. Deren Gruß war „Für Frieden und Völkerfreundschaft seid bereit!“ Mehr Worte bedurfte es nicht und bedarf es auch heute nicht.

Dieser Gruß soll die Herzen und die Türen öffnen, die Zukunft gestalten und diejenigen nicht vergessen, die an unsere besondere deutsche Verantwortung gemahnen,
dass ein gutes Deutschland blühe wie ein andres gutes Land.

Und nicht über, und nicht unter andren Völkern woll’n wir sein.
Von der See bis an die Alpen,
Von der Oder bis zum Rhein.
Damit in auch in Piskarewka die Blumen in guter Obhut sind.                            (w.k.) 

Aus diesem Gründen haben wir diese Ausstellung gestaltet und laden alle ein, sich mit den Umständen in Leningrad in der Zeit von 1941- 1944 vertraut zu machen.

WIR WOLLEN, dass die Blumen auf den Gräbern von Piskarewska nicht verblühen.  

WIR WOLLEN, deshalb mit einer dortigen Organisation zusammen arbeiten,

  • die sich den Opfern der Blockade, unabhängig von einer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit,  
  • dem Erhalt des Piskarewsker Gräberfeldes und
  • der  Erinnerung an das faschistische Kriegsverbrechen widmet. 

WIR HABEN dazu den Fonds „Blumen für Piskarewka“ aufgelegt, der sich aus Spenden unserer Mitglieder und anderer gleichgesinnter Menschen speisen soll.  

Es ist höchste Zeit sich zu erinnern.

 

Es ist ohne Zweifel ein Völkermord!!!

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