Björn
Für mich startete die Reise mit einer langen, sehr langen Busfahrt aus Stuttgart. Ich wollte schon immer einmal nach Russland, aber dass ich diese Reise mit dem Bus antreten werde, hätte ich noch vor einigen Monaten nicht gedacht. Mit dem Bus nach Kaliningrad, das heißt einmal Quer durch Deutschland und noch einmal quer durch Polen.
Im Bus habe ich mich direkt in eine andere Welt versetzt gefühlt, die Durchsagen im Bus waren plötzlich nicht mehr auf deutsch, sondern ausschließlich auf russisch. Aber Hilfsbereite Mitreisende haben gerne das Wichtigste noch einmal übersetzt.
Die lange Busfahrt hatte aber auch einen Vorteil, wir hatten viel Zeit für Gespräche und die anderen Teilnehmer der Reise kennenzulernen.
An der deutsch-polnischen Grenze hieß es dann, die Ausweise zeigen und weiter ging die Fahrt. Mitten in der Nacht sind wir dann schließlich an der polnisch-russischen Grenze angekommen. Den Grenzübertritt werde ich in Stichpunkten wiedergeben:
Passkontrolle im Bus, warten, der Bus darf zum polnischen Grenzposten vorfahren. Aussteigen, Passkontrolle im polnischen Grenzgebäude, einsteigen in den Bus. Warten, Bus fährt zum russischen Grenzposten, aussteigen, Gepäck mitnehmen. Gepäckkontrolle, Passkontrolle, Stempel, warten, einsteigen, Bus überquert die Grenze, anhalten, Stempel im Pass wird kontrolliert, weiterfahren.
Nach etwa einer weiteren Stunde Busfahrt, kamen wir in Kaliningrad an. Es war sehr aufregend, auf einmal kann man nicht mehr lesen, was auf den Gebäuden oder Schildern steht, eine ganz andere Welt. Aber es lag Schnee, die Sonne schien, es war kalt, die Bäume leuchteten hell durch das Eis welches sich auf den Bäumen gebildet hatte, Kaliningrad hatte uns, mich jedenfalls sehr schön Empfangen.
Nach einer kurzen Ruhepause im Hostel, ging es in die Innenstadt, um sich etwas umzuschauen. Der Fluss welcher die Stadt durchquert, war mit einer kompletten Eisschicht überzogen, manche Leute waren zum Eisfischen da, andere sind über die Eisdecke spaziert. Am Abend waren wir gemeinsam mit der gesamten Gruppe aus Deutschland beim gemeinsamen Abendessen, das war unsere letzte gemeinsame Aktivität mit der gesamten Gruppe, bevor wir uns trennen mussten.
Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Taxi zum Flughafen, unsere Flüge wurden noch sehr kurzfristig auf einen zwei Stunden früheren Flug umgebucht, da unsere regulärer Flug verspätet war und wir somit unseren Anschlussflug nach Wolgograd verpasst hätten. Unser neuer Flug ist pünktlich gestartet, aber wir konnten in Moskau nicht landen, da das Wetter zu schlecht war und es zu viel schneite. Wir kreisten also mindestens eine Stunde über Moskau, bis wir eine Landeerlaubnis bekommen hatten. Russland und Fliegen, ich hatte vieles darüber gehört, aber es sind ganz normale Flugzeuge, wie die von einer europäischen Fluggesellschaft. Nur, wir befinden uns im Landeanflug, mein Sitznachbar telefoniert bereits über das Mobilfunknetz, erstaunlich dass das funktioniert, beim dem nächsten zwei Reihen vor mir, klingelt das Handy, er wird angerufen. So etwas hatte ich davor noch nie erlebt.
In Moskau mussten wir dann zu unserem Anschlussflugzeug schnellstmöglich kommen, da wir schon wieder so viel Verspätung aufgebaut hatten, das es knapp wurde noch unseren Anschlussflug zu bekommen. Es ist aber noch einmal gut gelaufen. Unser Flugzeug für den Flug nach Wolgograd musste vor dem Start dann auch noch enteist werden, so sind wir auch etwas Später dann in Wolgograd gelandet, ich meine so gegen 22 Uhr waren wir dann am Flughafen in Wolgograd. Hier erwartete uns bereits jemand von der staatlichen Universität Wolgograd, um uns dann in unsere Unterkunft zu bringen. Hier haben wir dann die Zimmerverteilung bekommen und wir sind schlafen gegangen.
Die Tage an der Universität waren alle mehr oder weniger ähnlich strukturiert. Wir haben jeden Tag Studenten zur Seite bekommen, die uns an der Universität herum geführt haben, bei wirklich allen habe ich mich wohl gefühlt, es war wirklich toll sich mit den Studenten unterhalten zu können. Außerdem bekamen wir täglich ein Frühstück und ein Mittagessen in der Kantine und das Abendessen haben wir dann auch von der Universität gestellt bekommen, jedoch mussten wir dieses dann zu Hause essen.
Der erste Tag an der Universität hatte mir sehr gefallen, wir waren bei den Linguistikstudenten im Deutschunterricht, hier haben wir von den Studenten Präsentationen auf Deutsch über die Stadt Wolgograd vorgetragen bekommen, das war sehr interessant und ich war sehr beeindruckt, wie gut die Studenten das alle gemacht hatten.
Für den nächsten Tag sollten dann wir einen Vortrag vorbereiten, mit dem Thema, die deutsche Küche und deutsche Feiertage. Diesen haben wir am Abende im общежитие vorbereitet und am nächsten Tag war es dann soweit, dass wir die Präsentation den Studenten vortragen. Es hatte sehr Spaß gemacht, weil man wirklich gemerkt hat, dass die Studenten Spaß beim zuhören hatten und auch aktiv Fragen gestellt haben. Ich würde sogar sagen, das hatte mir von dem ganzen Unterricht mit am meisten Freude bereitet.
Im Anschluss an die Präsentation ging es dann nach draußen in den Innenhof des Universitätsgebäudes. An diesem Tag war das Masleniza-Fest, wir bekamen Bliny zum essen und wurden geschlückt. Es war ein sehr besonders Ereignis, eine ganz andere Kultur als der Fasching bei uns in Deutschland.
Nach dem Mittagessen hatten wir dann ein Treffen mit der Universitätsleitung, wir wurden wirklich sehr freundlich empfangen und aufgenommen, dafür möchte ich mich an dieser Stelle auch noch einmal bei allen Beteiligten bedanken. Im Anschluss an das Gespräch mit der Universitätsleitung haben wir dann noch eine Führung durch das Universitätsmuseum für Geschichte, sowie das der Kadettenregimente bekommen. Die Führungen waren beide in deutscher Sprache durch zwei Studenten, die die deutsche Sprache an der Universität studieren.
Am Abend haben uns dann die beiden Studenten noch das Stadtzentrum von Wolgograd gezeigt, darunter waren Sehenswürdigkeiten wie etwa der Platz der gefallenen Kämpfer mit dem ewigen Feuer, die Alexander-Newski-Kathedrale, das Gebäude in dem General Paulus verhaftet wurde, den Bahnhof und den Feuerwehrturm.
Was auch sehr auffällig war, ist die Tatsache, das wir häufig von der russischen Bevölkerung angesprochen wurden, nachdem diese gehört hatten, das wir Deutsch sprechen. Es hat sich so angefühlt, als ob zwischen unseren Regierungen gar keine Spannungen bestehen und als ob die Vergangenheit auch der Vergangenheit angehört. Ich hatte keine negativen Begegnungen, die Begegnungen waren alle durchweg positiv, die Russen hatten sich sehr über den Kontakt mit uns gefreut, teilweise hatten sie sogar ihre teils wenigen Deutschkenntnisse hervorgeholt und uns auf Deutsch begrüßt.
Für den vorletzten Tag an der Universität war für uns Russischunterricht angesagt, auch bei mir ist hierbei ein bisschen was hängen geblieben. Am Nachmittag wurden uns dann die Vereine der Universität und die Möglichkeit ein Stipendium zu bekommen vorgestellt. Den Abend haben wir dann zusammen mit einigen Studenten verbracht, welche auch bei uns auf dem Stockwerk im общежитие gewohnt hatte. Das war auch sehr schön, wir haben uns mit den Studenten gut verstanden und konnten auch zusammen lachen.
Der letzte Tag an der Universität war noch einmal voll mit Programmpunkten gefüllt. Als erstes hatten wir erneut Russischunterricht. Im Anschluss darauf haben die Linguistikstudenten für uns eine Präsentation auf deutsch über die Olympischen Spiele vorgetragen, ein Thema welches mich sehr begeistert. Darauffolgend wurde an der Universität, um auf den Tag der Muttersprache einzugehen, ein Programm vorbereitet, in dem die verschiedenen Ethnien aus Russland, sowie ausländische Studenten ihre Muttersprache durch den Vortrag eines Gedichtes oder einer anderen Sprachform vorstellten. Nach dem Mittagessen ging es für uns dann an den Runden Tisch, an dem wir uns mit einer Auswahl an Studenten unterhalten durften und auf gegenseitige fragen eingehen durften. Zum Abschluss des Tages wartete auf uns noch der Wettbewerb „Gentleman of University“. Hierbei durften die Fakultäten jeweils einen jungen Mann stellen, welche sich dann in verschiedenen Aufgaben stellen mussten, die von den Teilnehmern verschieden Fähigkeiten forderten. Es war eine totale Überraschung, es hat unheimlichen Spaß gemacht den jungen Männern bei ihren Aufgaben zuzusehen.
Nun folgen die Ausflugsziele. Am Samstag wurden wir von einem Bus vom общежитие abgeholt, welcher uns als erstes zum Panoramamuseum gefahren hat. Hier erfährt man sehr viel über die Schlacht von Stalingrad. Dabei wurden auch sehr bedrückende Geschehnisse der Schlacht erzählt, die mich sehr schockiert hatten. Nach dem Museum bekamen wir noch eine Führung auf dem Denkmal für die 10. Division der NKGW-Truppen. Von hier ging es dann noch auf den Mamajew Hügel, auf dem einige tausend russische Soldaten begraben sind. Auf dem Hügel steht eine riesige Statue, umgeben von unzähligen weiteren Gedenkstätten. In der Eintrittshalle stehen russische Soldaten, die die Gedenkstätte bewachen und dort noch einmal für zusätzliche an diesem besonderen Ort für ein Gefühl von Demut sorgen.
Am Sonntag ging es dann noch auf den Soldatenfriedhof am Stadtrand von Wolgograd. Hier wird einem erneut bewusst, welch schreckliche Geschichte hier im heutigen Wolgograd geschrieben wurde, wobei an diesem Tag lag ziemlich viel Schnee lag, was den Ort wesentlich friedlicher erscheinen ließ als ich ihn mir vorgestellt hatte. Am Friedhof legten wir für die Russischen, sowie für die deutschen gefallenen Soldaten Blumen nieder.
Am Montag ging es dann zur alten Sarepta, davon hatte ich in den Präsentationen der Studenten bereits gehört und freute mich schon unheimlich darauf. Die Alte Sarepta liegt im Süden der Stadt, hier lebten einst deutsche Siedler. Das Museum war sehr schön gemacht und hat die Geschichte der Sarepta sehr ausführlich erzählt. Hier konnte man auch lokale Köstlichkeiten erwerben, wie zum Beispiel das Senföl oder Wassermelonenkaffee. Ein weiterer Höhepunkt der Reise war, als wir auf dem Platz der alten Sarepta einen russischen Mann in einer Sovietuniform getroffen haben. Er hat uns mit seinem Lastwagen zu seiner privaten Museumsausstellung gefahren, in der er allerhand Gegenstände aus dem zweiten Weltkrieg gesammelt hat. Er gab uns eine Führung durch sein Museum und erzählte voller Begeisterung Geschichten zu den Gegenständen. Anschließend hatte er uns wieder mit seinem Lastwagen zurück zu dem Platz auf der alten Sarepta gefahren. Zum Ende unseres Ausfluges, wurden wir noch an einen Seitenarm der Wolga gebracht, hier war eine komplette Eisschicht über der Wolga, die begehbar war, es war beeindruckend zu sehen, wie die Schiffe die im Hafen angelegt hatten von einer Schicht aus Eis umgeben waren.
Der nächste Tag war dann leider schon unser Abreisetag, wir verabschiedeten uns noch von unseren Begleitern aus Wolgograd und wurden schließlich zum Flughafen befördert.
Nun werde ich noch ein paar Worte über Moskau berichten. Moskau ist eine wunderschöne Stadt, leider war die Zeit viel zu kurz um die ganzen schönen Ecken der Stadt erkunden zu können. Was mich sehr beeindruckt hat, ist sogar Ende Februar gibt es hier noch Weihnachtsmärkte. Bei uns in Deutschland sind die wenigsten Weihnachtsmärkte bis Heiligabend geöffnet, die meisten schließen ein paar Tage davor.
Wir haben den atemberaubenden VDNKh Park gesehen, das ist die Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft, hier stehen atemberaubende Gebäude, jede ehemalige Soviet-Republik hat hierbei ein Gebäude, in dem sie etwas ausstellen kann. Im Zentrum war eine unglaublich große Schlittschuhbahn, die wir am Abend auch ausgetestet haben. Den Roten Platz haben wir besucht, das Staatlich Historische Museum haben wir besucht, hier gibt es sehr schöne Ausstellungsobjekte zu sehen. Wir haben den Kreml besucht, ich wusste nicht, dass es hier so viele Kirchen gibt, das hat mich sehr beeindruckt. Das Theater im Kreml haben wir auch besucht, was mich äußerst verwundert hatte, war die Bilderauswahl im Theater, die eher eine düstere Atmosphäre bewirkt haben. Des Weiteren sind die U-Bahnhofe besonders sauber und sehr Prunkvoll verziert oder mit sehr schönen Bildern ausgehängt, das war im Gegensatz zu der U-Bahn in Berlin ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Die Rückreise nach Deutschland erfolgte dann wieder über Kaliningrad, hier hatten wir noch ein paar schöne Stunden zusammen, bevor es dann wieder in den Bus ging, auf die lange Fahrt nach Berlin. Jetzt hieß es das ganze Spiel von der polnisch-russischen Grenze einmal genau umgekehrt, wobei das Gepäck dieses mal gleich zweimal durchleuchtet werden musste.
Alles in allem bin ich unglaublich froh, das ich diese Reise nach Russland gemacht habe, ich habe vieles für mich persönlich mitgenommen und viele tolle Leute kennengelernt. Ich würde jedem anderen ans Herz legen sich ein eigenes Bild über Russland zu machen und selbst einen Ausflug dorthin zu unternehmen.



